Kipplast Radlader – was ist zubeachten!

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„Gebt mir einen festen Punkt, und ich hebe die Welt aus den Angeln“. Den Spruch kennst Du in dieser oder abgeänderter Form sicher  und vermutlich auch die Person, der er zugeordnet wird. Es war das Genie Archimedes, der vor ungefähr 2250 Jahren in Syrakus auf Sizilien das Hebelgesetz formulierte und den Grundstein zum Verständnis der Mechanik legte. Was das nun mit der Kipplast oder auch der Nutzlast eines Radladers zu tun hat, wirst Du Dich vielleicht fragen? Die Hebelgesetze sind für den Betrieb eines Radladers von großer Bedeutung. Es sind unverrückbare physikalische Gesetze und wenn mit einem Radlader Nutzlasten angehoben werden, dann bilden diese Gesetze gestern, heute und auch in Zukunft die Grundlage zur Berechnung der Radlader-Mechanik. Es sei denn, jemand findet heraus, wie die Schwerkraft oder Gravitation für massereiche Teilchen auf diesem Planeten überwunden werden kann. Bis dahin aber werden sich die Maschinenführer von Radladern mit der Mechanik Ihres Fahrzeuges begnügen müssen. Dabei ist es durchaus ordentlich zu nennen, was moderne Radlader können.

Was bedeutet die Kipplast an einem Radlader?

Wie Du weißt, ist ein Radlader eine spezielle Konstruktion. Eigentlich zwei Fahrzeugteile, die in der Mitte durch ein Knickgelenk verbunden sind. Das macht den Radlader wortwörtlich gelenkig, weshalb er das bevorzugte Lastentransportmittel auf Baustellen und landwirtschaftlichen Höfen ist, wo es immer mal eng zugeht. Im Gegensatz zu einem Bagger oder auch einem Kran besitzt der Radlader durch das Knickgelenk einen veränderlichen Schwerpunkt und damit auch eine veränderliche Kipplast. Die Kipplast hat also nichts mit „auskippen“ zu tun, wohl aber mit umkippen.

Doch wie definiert sich Kipplast eigentlich?

Als Kipplast wird der Punkt bezeichnet, wenn auf der Schaufel oder Gabel exakt soviel Ladung ist, dass die Hinterräder des Radladers fast schon vom Boden abheben. Nur stehen die Hinterräder eines Radladers ja nicht immer in einer Flucht mit den Vorderrädern. Je stärker die Hinterräder eingelenkt sind, desto geringer wird die maximale Kipplast. Gemessen wird die Kipplast, wenn der Radlader voll eingelenkt ist und damit der hintere Teil fast im rechten Winkel zum vorderen Teil stehen. Dann ist die Kipplast am geringsten und diese Last ist das Maß für die Kipplast des Radladers und muss auf dem Schild mit der Lastentabelle, die an jedem Radlader befestigt ist, vermerkt sein.

Es ist einfach eine Frage der Sicherheit, dass die geringstmögliche Kipplast als Anhaltspunkt genommen wird. Sonst könnte es, oder besser gesagt, passiert es leider immer wieder, dass mit dem Radlader in geradem Zustand Lasten über dem Kipppunkt aufgenommen und angehoben werden. Der Führer der Maschine fährt los, biegt vielleicht nach rechts ab und der gesamte Radlader kippt mit seiner Last nach vorne. Wenn es dabei bleibt, geht es noch glimpflich ab. Da aber der Radlader immer noch abgewinkelt ist, kann sich, je nach Grad der Winkelstellung und der Hubhöhe der Last, während des Kippens auch der Schwerpunkt auf die Hochachse des Radladers verlagern. Dann kippt der Radlader nicht nur nach vorne, sondern auch auf die Seite. Damit so etwas möglichst nicht passiert, bildet die Kipplast die Grundlage für die Berechnung zweier weiterer Werte.

Zuerst die Berechnung der Nenn- oder Nutzlast

Die Nenn- oder Nutzlast ist ganz einfach die Last, die ein Radlader mit seiner Schaufel oder der Gabel anheben darf. Wohlgemerkt darf, nicht kann. Du könntest als Radladerfahrer mehr anheben, die Maschine ist dazu in der Lage. Nur machen solltest Du es nicht, auch nicht aus falsch verstandenem Arbeitsethos. Sicherheit geht einfach vor.

Die Nutzlast, das sind 50 % der Kipplast oder genauer, der geknickten Kipplast. Liegt also die Kipplast bei angenommenen 4 Tonnen, beträgt die Nutz- oder Nennlast 2 Tonnen. Doch wie bekommst Du als Radladerfahrer es auf die Reihe, zumindest ungefähr das maximal zulässige Gewicht mit der Schaufel oder der Gabel aufzunehmen? In Bezug auf die Gabel ist es einfach. Auf Baustellen sind es überwiegend beladene Paletten, deren Gewicht bekannt ist. In der Landwirtschaft sind die höchsten Gewichte, die mit der Gabel eines Radladers angehoben werden, Rollballen mit Heu oder Stroh, deren Gewicht auch bekannt ist. Doch woher weißt Du, wie viel Du gerade mit der Schaufel an Schüttgut wie Kies oder Sand aufgenommen hast. Einige moderne Radlader besitzen eingebaute Waagen, die das aufgenommene Gewicht messen und warnen oder sogar das Anheben des Schüttguts blockieren. Der Gesetzgeber oder der zuständige Fachausschuss des VDI wollen es noch eine Spur sicherer und geben etwas anderes vor.

Den maximal anbaubaren Schaufelinhalt

Damit es zu keiner oder nur einer geringen Überladung kommen kann, bestehen zu jedem Radlader Vorgaben, wie viel Volumen die angebaute Schaufel maximal aufnehmen kann. Der Haken bei der Geschichte ist, das es eine Vielzahl an verschiedenen Schüttgütern gibt, die eine unterschiedliche Dichte und damit ein jeweils anderes Gewicht besitzen. Dafür wiederum gibt es Tabellen mit Schüttgewichten unterschiedlicher Schüttgüter und dazugehörige Richtwerte bezüglich des Schaufelfüllungsgrads.

Doch zuerst zu der Formel, wie denn der maximal erlaubte Schaufelinhalt berechnet wird

Alles beginnt wieder mit der Kipplast.

Nenn- oder Nutzlast =      Kipplast geknickt

                                                     2

Schaufelinhalt =                    Nennlast (t)

                                     spez. Materialgewicht (t/m3)

Wenn Du nun von dem oben angegebenen Beispiel mit der 4 Tonnen Kipplast ausgehst, ergibt sich eine Nutzlast von 2 Tonnen und daraus wiederum ein maximal möglicher Schaufelinhalt von einer Tonne pro Kubikmeter. Über den Daumen gerechnet also eine Schaufel mit einem Volumen von 2 Kubikmeter. Durch die vielen Arten von Schüttgut ist eine exakte Berechnung völlig unmöglich, weshalb es Toleranzgrenzen gibt. In der Regel sind die Schaufeln der Radlader so ausgelegt, dass sie 110 % an Volumen aufnehmen können. Diese Luft nach oben bei der Beladung erlaubt die Mehraufnahme an leichteren Schüttgütern, wobei fast alle Schüttgüter mit über 100 % aufgenommen werden dürfen. Einzig und allein Granitkies macht eine Ausnahme. Hier dürfen höchstens 95 % des möglichen Volumens geladen werden, dann ist die maximale Nutzlast erreicht.

In der Praxis jedoch wirst auch Du Dich einfach an das Volumen der Schaufel halten und aufnehmen, was möglich ist. Trotzdem liegt es in Deiner Verantwortung, zu kontrollieren, ob an den Radlader, den Du fährst, nicht vielleicht eine zu große Schaufel angebaut wurde.

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