
{"id":487,"date":"2022-05-20T11:34:29","date_gmt":"2022-05-20T09:34:29","guid":{"rendered":"https:\/\/wematik.de\/magazin\/?p=487"},"modified":"2022-05-20T11:34:31","modified_gmt":"2022-05-20T09:34:31","slug":"automatisierung-in-der-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wematik.de\/magazin\/automatisierung-in-der-landwirtschaft\/","title":{"rendered":"Die Automatisierung in der Landwirtschaft &#8211; Status Quo"},"content":{"rendered":"\n<p>In dem Sciences Fiction Kinohit \u201eInterstellar\u201c scheint die\nLandwirtschaft der Zukunft vorweggenommen. Die Bewirtschaftung der riesigen\nFelder erfolgt mittels autonom fahrender Maschinen. Dieses Zukunftsszenario ist\nnicht so weit weg, wie vielleicht gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4ngst ist beispielsweise das GPS in vielen M\u00e4hdreschern und\n<a href=\"https:\/\/wematik.de\/kleintraktoren-schmalspurschlepper\/\">Traktoren<\/a>\nder Standard, um damit auf dem Feld beim S\u00e4en, Eggen und Ernten die Spurtreue\nzu halten. Noch nicht so h\u00e4ufig im Einsatz, aber technisch sehr ausgereift ist\nder Melkroboter, der den Landwirt\/innen den kompletten Vorgang des Melkens\nabnimmt. Teilweise \u00fcbernehmen Drohnen bereits jetzt das Best\u00e4uben von Pflanzen\nund im Weinbau schneiden Spezialmaschinen die Reben zur\u00fcck. Genauso wurden\nMaschinen entwickelt, die das Ernten von Baumfr\u00fcchten \u00fcbernehmen, ob nun Oliven\nin der Toskana oder \u00c4pfel im alten Land am Bodensee. Der Vollernter im Wald,\nder in wenigen Sekunden einen Baum f\u00e4llt, entastet und zus\u00e4gt, ist da fast\nschon ein alter Hut. <\/p>\n\n\n\n<p>Wo heute noch viel Handarbeit erforderlich ist, beim Anbau von Feldfr\u00fcchten, t\u00fcfteln die Ingenieure an automatisierten Setz- und Erntemaschinen. Hierbei wird sogar der Spargel ins Auge gefasst, der bez\u00fcglich der Ernte zumindest bis heute eine Dom\u00e4ne der Erntehelfer ist, die das reife Stangengem\u00fcse vorsichtig ausgraben. Gleichzeitig erw\u00e4chst mit dem Vertical farming dem traditionellen Feldanbau langsam Konkurrenz, die bestechende Vorteile besitzt.\u00a0 <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"600\" height=\"304\" src=\"https:\/\/wematik.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Zukunft-landwirtschaft.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-488\" srcset=\"https:\/\/wematik.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Zukunft-landwirtschaft.png 600w, https:\/\/wematik.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Zukunft-landwirtschaft-300x152.png 300w, https:\/\/wematik.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Zukunft-landwirtschaft-268x136.png 268w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Landwirte\nsind bereits voll im digitalen Wandel <\/h2>\n\n\n\n<p>Im Rahmen einer gemeinsamen Studie im Jahr 2020 durch den\nDeutschen Bauernverband, der Landwirtschaftlichen Rentenbank sowie des\nDigitalverbandes Bitkom wurden 500 Landwirte zum Einsatz digitaler Technologien\nauf ihren H\u00f6fen befragt. Dabei gaben 82 % an, bereits heute digital gest\u00fctzte\nMaschinen einzusetzen. Weitere 10 % planen dies f\u00fcr die nahe Zukunft. Die\nSpitzenreiter in Bezug auf die Automatisierung der Landwirtschaft sind hierbei\nautomatisierte F\u00fctterungssysteme, die von 46 % der Landwirte genutzt werden.\nRund 45 % nutzen au\u00dferdem GPS in den Landmaschinen. Gut 40 % haben eine App auf\ndem Smartphone oder dem Tablet, mit deren Hilfe Farm- oder Herdenmanagement\nbetrieben wird. Etwa 32 % setzen intelligente Steuerungen zum Einsatz von D\u00fcnge-\nund Pflanzenschutzmitteln ein und bei 28 % werden zur Messung bestimmter Daten\nin der Tierhaltung und im Feldfr\u00fcchteanbau Sensoren verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterhin ergab die Befragung, dass 81 % der Landwirte\n\u00fcberzeugt sind, durch digitale Technologien umweltschonender produzieren zu\nk\u00f6nnen. Fast 70 % sehen darin gro\u00dfe Chancen f\u00fcr eine nachhaltige Landwirtschaft\nund 65 % sind der Meinung, dass mit dem Einsatz digitaler Technologien das\nTierwohl gesteigert wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite werden aber auch m\u00f6gliche Gefahren und\nNachteile durch die digitale Technologie bef\u00fcrchtet. So etwa der Mangel an\nMitarbeitern, die mit den Maschinen und den Systemen umgehen k\u00f6nnen. Auch die\nIT-Sicherheit, etwa in Bezug auf Hacker, ist ein Thema und nicht zuletzt die\nInvestitionskosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Lesen Sie auch: <a href=\"https:\/\/wematik.de\/magazin\/was-bringt-die-zukunft-in-der-landwirtschaft\/\">Was\nbringt die Zukunft in der Landwirtschaft?<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die\nAutomatisierung in der Landwirtschaft, nicht jeder kann oder will sie sich\nleisten<\/h2>\n\n\n\n<p>Eigentlich liegen die Vorteile der automatisierten\nLandwirtschaft auf der Hand. Die Ernteertr\u00e4ge werden bei geringerem D\u00fcnger- und\nPestizideinsatz gr\u00f6\u00dfer und der Stress f\u00fcr Nutztiere sinkt. Gleichzeitig wird\nder oder die Landwirtin k\u00f6rperlich entlastet. Der Bedarf an Lebensmitteln\nsteigt mit der zunehmenden Weltbev\u00f6lkerung, wobei hier auch die Fischzucht\nerw\u00e4hnt werden sollte. Sie ist ebenso Teil der automatisierten Landwirtschaft\nund tr\u00e4gt dazu bei, der \u00dcberfischung der Weltmeere Grenzen zu setzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass es trotz dieser Vorteile Einw\u00e4nde gegen die\nAutomatisierung der Landwirtschaft gibt, darf aber nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Die\nGegner f\u00fchren dabei Argumente an, die nicht so einfach von der Hand zu weisen\nsind.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Punkt betrifft die Konzentration von\nlandwirtschaftlicher Fl\u00e4che auf wenige H\u00f6fe, weil sich Landwirte mit wenigen\nFl\u00e4chen oder geringem Nutzviehbestand die Automatisierung nicht oder nur in\ngeringem Umfang leisten k\u00f6nnen. Das ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Hofsterben kann so\nbeschleunigt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Punkt h\u00e4ngt mit dem ersten Punkt zusammen. Je\ngr\u00f6\u00dfer ein landwirtschaftlicher Betrieb ist, desto mehr muss auf\nstandardisierte Verfahren geachtet werden, um rentabel zu sein und zu bleiben.\nDas jedoch bedeutet zugleich eine Standardisierung der Feldfr\u00fcchte und der\nNutztiere. Es folgt das, was in der Lebensmittelindustrie l\u00e4ngst Usus ist.\nNicht die Maschinen werden dem Lebensmittel angepasst, sondern das Lebensmittel\nden Maschinen. Turbo-K\u00fche, Turbo-Schweine und Turbo-H\u00fchner genauso wie\nmakellose Tomaten, Gurken, <a href=\"https:\/\/wematik.de\/magazin\/kartoffelernte-entwicklung-status-quo\/\">Kartoffeln<\/a>\nund Salatk\u00f6pfe in Einheitsgr\u00f6\u00dfen sind schon heute \u201enormal\u201c. Dieser\nAnpassungsprozess wird sich mit der Automatisierung verst\u00e4rken, gleichzeitig\nverschwindet die Vielfalt. Es wird nur noch gehalten und angebaut, was in der\nMasse entsprechenden Ertrag bringt und den automatisierten Maschinen angepasst\nist. Ausw\u00fcchse davon sind zum Beispiel Patentierungen bestimmter Feldfr\u00fcchte,\noftmals sogar schon sehr lange bekannter Feldfr\u00fcchte, deren Anbau ohne\nLizenzierung des Patentinhabers eine Ordnungswidrigkeit darstellt, auch wenn\nbisher keine strafrechtliche Verfolgung deswegen bekannt wurde. Unter diesen\nPunkt f\u00e4llt auch die Verschwendung von Lebensmitteln, weil \u201eunsch\u00f6ne\u201c\nFeldfr\u00fcchte und Obst aussortiert werden.&nbsp;\n<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Punkt betrifft die Kulturlandschaft. Gro\u00dfe\nMaschinen sind nur auf gro\u00dfen, m\u00f6glichst zusammenh\u00e4ngenden Feldern\nwirtschaftlich einzusetzen. Dem m\u00fcssen kleine Auenw\u00e4lder, Hecken und sogar\nBachl\u00e4ufe weichen. Mit ihnen verschwinden gleichzeitig verschiedene Vogelarten,\nInsekten, Amphibien und kleine, bodenbewohnende S\u00e4ugetiere. Grob gesagt, Fuchs\nund Hase sagen sich dann zum letzten Mal gute Nacht. <\/p>\n\n\n\n<p>Als vierter Punkt kann angef\u00fchrt werden, dass ein\nautomatisierter Landwirtschaftsbetrieb weit weniger Personal ben\u00f6tigt. Ein\nProblem, das ausgerechnet eine Branche trifft, in der sehr viele ungelernte\nArbeitskr\u00e4fte besch\u00e4ftigt werden. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ist die\nAutomatisierung der Landwirtschaft notwendig?<\/h2>\n\n\n\n<p>Bezogen auf die Weltbev\u00f6lkerung ist der Status Quo der\nAutomatisierung in der Landwirtschaft ausreichend. Schon seit Jahren werden\nweltweit mehr Lebensmittel angebaut und gez\u00fcchtet, als die Menschen der Erde\nben\u00f6tigen. Das der Hunger in der Welt trotzdem noch besteht, liegt einzig und\nallein an politischen, wirtschaftlichen, religi\u00f6sen und milit\u00e4rischen\nFehlentscheidungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Im besten Fall wird die zuk\u00fcnftige Automatisierung der\nLandwirtschaft mehr und mehr in Urbane Gebiete verlegt, siehe vertical farming,\nund Felder wieder renaturiert. Im schlechtesten Fall ergibt sich ein\nZukunftsszenario wie in \u201eInterstellar\u201c, wobei zu bezweifeln ist, dass je eine\nzweite Erde gefunden wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir von <a href=\"https:\/\/wematik.de\/\">Wematik<\/a> w\u00fcnschen\nviel Spa\u00df<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem Sciences Fiction Kinohit \u201eInterstellar\u201c scheint die Landwirtschaft der Zukunft vorweggenommen. Die Bewirtschaftung der riesigen Felder erfolgt mittels autonom fahrender Maschinen. Dieses Zukunftsszenario ist nicht so weit weg, wie vielleicht gedacht. 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