
{"id":461,"date":"2022-03-28T13:43:45","date_gmt":"2022-03-28T11:43:45","guid":{"rendered":"https:\/\/wematik.de\/magazin\/?p=461"},"modified":"2022-03-28T13:51:11","modified_gmt":"2022-03-28T11:51:11","slug":"kartoffelernte-entwicklung-status-quo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wematik.de\/magazin\/kartoffelernte-entwicklung-status-quo\/","title":{"rendered":"Kartoffelernte &#8211; Entwicklung &#038; Status quo"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie ist nicht nur ein Grundnahrungsmittel, sie ist eine\nFeldfrucht, die in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft eine wichtige Rolle\nspielt, die Kartoffel. <\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist die Kartoffel in Europa nicht endemisch. Ihre\nWurzeln finden sich in S\u00fcd- und Mittelamerika. Zusammen mit der Tomate, dem\nMais, dem K\u00fcrbis, der Avocado, den Blaubeeren und der Papaya wurde sie ab der\nMitte des 16. Jahrhundert vom amerikanischen Doppelkontinent aus langsam in\nEuropa eingef\u00fchrt. In Deutschland war die Kartoffel ein Sp\u00e4tstarter. Der\ngro\u00dffl\u00e4chige Anbau begann erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. <\/p>\n\n\n\n<p>Seltsamerweise werden heute im weltweiten Vergleich in\nS\u00fcdamerika am wenigsten Kartoffeln verzehrt. Allerdings steht wiederum\nDeutschland nicht an der Spitze der L\u00e4nder, in denen Kartoffeln angebaut und\ngegessen werden. Diese Legende aus den Deutsch-Franz\u00f6sischen Kriegen h\u00e4lt sich\nbis heute hartn\u00e4ckig, \u00e4hnlich der mit dem Sauerkraut. Es sind die Russen, die\nmit einem Pro-Kopf-Verbrauch von j\u00e4hrlich rund 250 kg an der Spitze stehen. Deutschland\nbefindet sich mit 63 kg pro Einwohner knapp \u00fcber dem Mittelwert von 53 kg. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die\nKartoffelernte in der Landwirtschaft Deutschlands<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Verh\u00e4ltnis zu den gr\u00f6\u00dften Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Feldfr\u00fcchte\nist der Ertrag der Kartoffel als eher bescheiden zu nennen. Die Anbaufl\u00e4chen\nder wichtigsten Arten verteilen sich wie folgt in Prozent:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Weizen\n     ca. 16 %<\/li><li>Gerste\n     ca.&nbsp; 11 %<\/li><li>Roggen\n     ca. 10 %<\/li><li>Mais\n     ca. 7 %<\/li><li>Kartoffel\n     ca. 2 %<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Ernte von fast allen Gem\u00fcsen und Obstsorten in Deutschland nicht ausreicht, den Bedarf zu decken und deshalb importiert werden muss, sieht es bei der Kartoffel anders aus. Sie ist \u00fcber den Eigenverbrauch hinaus ein Exportgut deutscher Landwirte. Allerdings unterliegt der Ernteertrag von Jahr zu Jahr durchaus erheblichen Schwankungen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den Zeitraum der letzten 20 Jahre betrachtet, werden in\nDeutschland im Durchschnitt pro Jahr 11 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet.\nDoch die Schwankungen k\u00f6nnen enorm sein. Im Jahr 2003 etwa fiel die\nKartoffelernte mit nur 9,9 Millionen Tonnen extrem niedrig aus. Ein Jahr\nsp\u00e4ter, 2004, vermeldete die Agrarwirtschaft mit 13 Millionen Tonnen eine\nabsolute Rekordernte. Der Tiefststand innerhalb dieses Zeitraums wurde im Jahr\n2018 erreicht. Der Supersommer dieses Jahres verursachte eine Missernte von nur\n8,9 Millionen Tonnen.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Es geht\nabw\u00e4rts mit dem Kartoffelertrag<\/h2>\n\n\n\n<p>Werden die letzten 10 Jahre, 2012 bis 2021, mit den davor liegenden 10 Jahren, 2001 bis 2010, verglichen, zeigt sich ein eindeutiger Trend zu einem geringeren Ernteertrag. W\u00e4hrend der Durchschnitt in der Dekade von 2001 bis 2010 noch bei <strong>12,57 Millionen Tonnen<\/strong> pro Jahr lag, fiel der Durchschnitt der Kartoffelernte der darauffolgenden Dekade nur noch mit <strong>10,65 Millionen Tonnen<\/strong> Ertrag pro Jahr aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Der wichtigste Grund f\u00fcr das Sinken des Ernteertrags bei der\nKartoffel ist das Klima.&nbsp; Praktisch alle\nJahre mit geringem Ernteertrag der letzten 20 Jahre sind zugleich Jahre mit\nhohen Durchschnittstemperaturen. Dabei lagen die 3 Jahre mit absoluten\nHitzerekorden seit Aufzeichnung der Temperaturen alle innerhalb des\nzur\u00fcckliegenden Jahrzehnts. Es waren die Jahre 2015, 2018 und 2019. Hinzu\nkommen h\u00e4ufige Regenf\u00e4lle im Fr\u00fchjahr und Sommer, die wiederum Pilzinfektionen\nausl\u00f6sen. Obwohl die Kartoffel urspr\u00fcnglich aus S\u00fcd- und Mittelamerika stammt,\nist sie deswegen keine Tropenfrucht. Ihr dortiges Anbaugebiet waren trockene\nH\u00f6henlagen in oder an den Anden. Zu viel Feuchtigkeit und W\u00e4rme verhindern das\nWachstum der Kartoffel. <\/p>\n\n\n\n<p>Stetig sinkende Ernteertr\u00e4ge setzen in der Landwirtschaft eine Abw\u00e4rtsspirale in Gang, genauso wie steigende Ertr\u00e4ge eine Aufw\u00e4rtsspirale verursachen. Erzielen die Landwirte pro Hektar&nbsp; angepflanzter Kartoffeln immer weniger Ertrag, wird die Anbaufl\u00e4che reduziert und auf den frei gewordenen Fl\u00e4chen andere Feldfr\u00fcchte angebaut. So wurde beispielsweise die Anbaufl\u00e4che f\u00fcr die Kartoffel vom Jahr 2020 zum Jahr 2021 um 5,2 % reduziert. <\/p>\n\n\n\n<p>Lesen Sie auch: <a href=\"https:\/\/wematik.de\/magazin\/heuernte-eine-grosse-herausforderung\/\">Heuernte &#8211; Eine gro\u00dfe Herausforderung?<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die\nPandemie spielt eine nicht so gro\u00dfe Rolle wie vielleicht gedacht<\/h2>\n\n\n\n<p>Ab dem M\u00e4rz 2020, mit dem Beginn der Corona-Pandemie, begann\nder Erzeugerpreis f\u00fcr die Kartoffel in den freien Fall \u00fcberzugehen. Von 33 Euro\npro 100 kg im Februar 2020 auf 10 Euro im September, wobei das nat\u00fcrlich auch\nErntezeit ist und das \u00dcberangebot den Tiefpreis mitverursachte. Doch der\nErzeugerpreis stieg dann kaum noch, weil durch die Einschr\u00e4nkungen die\nNachfrage sank. Erst im M\u00e4rz 2021 ging es langsam wieder aufw\u00e4rts. Im Sommer\n2021 lag der Erzeugerpreis zeitweise bei 40 Euro pro 100 kg. Doch ist das keineswegs\nein extremer Ausrei\u00dfer. Eine \u00e4hnliche Situation lag auch 2017 \/ 2018 vor, ganz\nohne Pandemie, daf\u00fcr aber mit Rekordernte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die\nKartoffel ist dank ihrer guten Lagerf\u00e4higkeit ein Spekulationsobjekt<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein erheblicher Teil der Kartoffelernte im Erntemonat\nSeptember wandert nicht sofort in den Verbrauch. Etwa 40 % der Ernte wird\neingelagert und in den folgenden Monaten langsam in den Verkehr gebracht. Dabei\nist das Preisgef\u00fcge innerhalb Deutschlands sehr unterschiedlich. Die tiefsten\nPreise kurz nach der Kartoffelernte finden sich in Niedersachsen. Es ist das\nKartoffelbundesland Nr. 1 in Deutschland. Gut 45 % der gesamten\nKartoffel-Anbaufl\u00e4che vereinigt Niedersachsen auf sich. W\u00e4hrend im September\n2021 dort der Erzeugerpreis bei 10,50 Euro lag, bekamen bayrische Landwirte im\nselben Zeitraum fast 15 Euro pro 100 kg Kartoffeln. <\/p>\n\n\n\n<p>Die H\u00f6chstpreise f\u00fcr Kartoffeln erzielen die Landwirte oder\nbesser die Agrargenossenschaften im Monat M\u00e4rz. Dann sind die Lagervorr\u00e4te\nweitgehend abgebaut. Dabei d\u00fcrfen es bisweilen sogar \u00fcber 50 Euro pro 100 kg\nsein, wie etwa im M\u00e4rz 2019. Nat\u00fcrlich schlagen sich diese Schwankungen nicht\nin gleicher H\u00f6he auf die Verbraucherpreise durch. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die\nKartoffel im Handel, langsam aber sicher immer teurer<\/h2>\n\n\n\n<p>Abgesehen davon, dass nun in der beginnenden Nach-Corona-\u00c4ra die Kartoffelpreise aufgrund der einsetzenden Nachfrage, speziell aus der Gastronomie, so oder so stark steigen, hat sich in den letzten Jahren der Preis auch f\u00fcr den Endverbraucher stetig nach oben bewegt. Die verringerte Anbaufl\u00e4che macht sich bemerkbar. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Zukunft der Kartoffel aussehen wird, h\u00e4ngt fraglos davon ab, ob Kartoffelsorten angebaut werden, die mit den ver\u00e4nderlichen Klimabedingungen zurechtkommen und nat\u00fcrlich, ob der Ertrag pro Hektar befriedigend ist und die Verbraucher sowie die Industrie Geschmack und Inhaltsstoffe dieser Kartoffeln akzeptieren. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">Wir von <a href=\"https:\/\/wematik.de\/\">Wematik<\/a> w\u00fcnschen viel Spa\u00df<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das <\/strong><a href=\"https:\/\/wematik.de\/magazin\/\"><strong>Wematik-Magazin<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist nicht nur ein Grundnahrungsmittel, sie ist eine Feldfrucht, die in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt, die Kartoffel. Dabei ist die Kartoffel in Europa nicht endemisch. Ihre Wurzeln finden sich in S\u00fcd- und Mittelamerika. 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