
{"id":455,"date":"2022-02-22T11:21:07","date_gmt":"2022-02-22T10:21:07","guid":{"rendered":"https:\/\/wematik.de\/magazin\/?p=455"},"modified":"2022-03-28T13:53:09","modified_gmt":"2022-03-28T11:53:09","slug":"gruene-landwirtschaft-was-bringt-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wematik.de\/magazin\/gruene-landwirtschaft-was-bringt-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne Landwirtschaft &#8211; was bringt die Zukunft?"},"content":{"rendered":"\n<p>In den 1940er Jahren begann etwas, das einerseits viel Gutes\nbewirkte, andrerseits gravierende Umweltsch\u00e4den erzeugte und, wie heute bekannt\nist, einer der Hauptverursacher des Klimawandels ist. Es war die sogenannte\ngr\u00fcne Revolution, die damit begann, dass Mexiko aus den USA mithilfe der\nRockefeller Foundation spezielle Weizensorten importierte, die einen wesentlich\nh\u00f6heren Ertrag brachten. Es war zugleich der Anfang der Agrar-Industrie mit\nriesigen Monokulturen und dem massiven Einsatz von Pestiziden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00fcne Revolution verbreitete sich \u00fcber den gesamten Globus. Tats\u00e4chlich konnte mit den neuen Sorten Mais, Weizen, Reis und Soja der Hunger in der Welt deutlich gesenkt werden. Der Preis daf\u00fcr war und ist ein Teufelskreis, indem die \u00fcberbeanspruchten <a href=\"https:\/\/wematik.de\/landmaschinen-gartentechnik\/bodenbearbeitung\/\">B\u00f6den<\/a> immer mehr Pestizide und k\u00fcnstliche D\u00fcnger ben\u00f6tigen. Gleichzeitig sinkt der Grundwasserspiegel dramatisch und Gew\u00e4sser werden mit den Chemikalien der D\u00fcngemittel- und Pestizid-Industrie verschmutzt. Das wiederum f\u00fchrt dazu, dass immer neue Anbaufl\u00e4chen ben\u00f6tigt und so mehr und mehr Waldgebiete in Agrarfl\u00e4chen umgewandelt werden. Die ertragreicheren Sorten hatten noch einen \u201eNebeneffekt\u201c. Die riesigen Erntemengen stillten nicht nur den Hunger in der Welt, sie sorgten auch daf\u00fcr, dass mehr Schlachtvieh gez\u00fcchtet werden konnte, weil nun auch ausreichend Futtermittel zur Verf\u00fcgung standen. Am Ende steht das in enge Metallboxen gezw\u00e4ngte Schwein, das in seinem kurzen Leben nie das Tageslicht sehen wird und f\u00fcr 2 Euro das Kilo, eingepackt in Plastik und mit Stickstoff begast, in der K\u00fchltheke der Superm\u00e4rkte landet. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aus der gr\u00fcnen Revolution muss wieder gr\u00fcne Landwirtschaft\nwerden<\/h3>\n\n\n\n<p>Die gr\u00fcne Revolution machte aus der eher kleinb\u00e4uerlichen\nLandwirtschaft eine Industrie gigantischen Ausma\u00dfes mit zun\u00e4chst positiven und\ndann immer mehr negativen Folgen f\u00fcr die Natur und damit auch f\u00fcr die\nMenschheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Schlagwort der gr\u00fcnen <a href=\"https:\/\/wematik.de\/landmaschinen-gartentechnik\/\">Landwirtschaft<\/a> werden vermehrt Anstrengungen unternommen, den Teufelskreis des Gigantismus bei Anbau und Zucht zu durchbrechen. Dass k\u00f6nnte missverstanden werden. Gr\u00fcne Landwirtschaft bedeutet nicht, dass das Rad der Geschichte zur\u00fcckgedreht werden soll. Vielmehr geht es einerseits darum, beim Anbau von Feldfr\u00fcchten die Belange der Natur st\u00e4rker zu ber\u00fccksichtigen und andrerseits in der Viehhaltung dem Tierwohl mehr Platz einzur\u00e4umen. <\/p>\n\n\n\n<p>Gerechnet an der j\u00e4hrlichen Schlachtmenge in Deutschland\nisst jeder oder jede Deutsche, vom Neugeborenen bis zum Hundertj\u00e4hrigen,\nt\u00e4glich rund 260 Gramm Fleisch. Daf\u00fcr sterben etwa 630 Millionen H\u00fchner, die in\nK\u00e4figen gehalten werden, deren Grundfl\u00e4che einem DIN-A4-Blatt entsprechen.\nHinzu kommen 58 Millionen Schweine und rund 3 Millionen Rinder sowie weitere\nTiere in Massentierhaltung wie Enten, Puten, G\u00e4nse und auch Fische.&nbsp; Diese Tiere ben\u00f6tigen im Jahr rund 400\nMillionen Tonnen an Futtermitteln und etwa 700 Millionen Tonnen Frischwasser.\nDas alles bezieht sich nur auf Deutschland. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcne Landwirtschaft bedeutet Reduktion<\/h3>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcr Mensch, Tier und Umwelt ungesunde Entwicklung in der\nAgrar-Industrie l\u00e4sst sich nur durch die Verkleinerung der Anbaufl\u00e4chen\nweltweit erzielen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass nun in den\nEntwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern wieder das gro\u00dfe Hungern beginnt. Die\nReduktion muss sich auf die Fl\u00e4chen beziehen, auf denen Futtermittel f\u00fcr\nSchlachtvieh angebaut wird. Weniger Futtermittel bedeutet weniger Zuchtvieh.\nGleichzeitig k\u00f6nnen die nicht mehr ben\u00f6tigten Anbaufl\u00e4chen renaturiert werden.\nDer CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df wird verringert, genauso wie der Einsatz von\nD\u00fcngemitteln und Pestiziden. Trotzdem stehen der Menschheit die \u201ewichtigen\u201c\nGrundnahrungsmittel zur Verf\u00fcgung und Fleisch wird wie noch vor 80 Jahren zur\nBesonderheit, die vielleicht einmal die Woche auf den Tisch kommt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gigantismus in der Agrar-Industrie bezieht sich nicht\nallein auf die Anbaufl\u00e4chen oder St\u00e4lle, in denen tausende Tiere gehalten\nwerden. Er bezieht sich auch auf die eingesetzte Technik. Mehrere Hektar gro\u00dfe\nFelder lassen sich nur mit entsprechend gro\u00dfen Maschinen bewirtschaften. Die\njedoch lassen sich nur einsetzen, wenn rund um die Felder die \u201eNatur\u201c\nwortw\u00f6rtlich platt gemacht wird. M\u00e4hdrescher mit \u00fcber 10 m breiten\nSchnittwerken brauchen viel Platz, nicht nur auf dem Feld. Hecken oder B\u00e4ume,\nkleine B\u00e4che oder nat\u00fcrliche Wiesen, die Lebensr\u00e4ume tausender Arten an\nInsekten, V\u00f6geln, Amphibien und Nagern gehen im Umfeld solcher Riesen-Felder\nverloren. Es ist nicht \u00fcbertrieben, bei derartigen Monokulturen von\nAgrar-W\u00fcsten zu sprechen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcne Landwirtschaft realisieren<\/h3>\n\n\n\n<p>Es ist klar, Felder m\u00fcssen verkleinert werden. Hecken,\nB\u00e4che, Auenw\u00e4lder und Naturwiesen stellen wieder Abgrenzungen dar. Im Anbau\nwird die Fruchtfolge am Ist-Zustand des Bodens ausgerichtet. Das reduziert\ndeutlich den Einsatz von Pestiziden und D\u00fcngemitteln. Statt riesiger Traktoren,\n24-Schar-Pfl\u00fcgen und \u00fcberdimensionaler M\u00e4hdrescher, die den Boden verdichten\nund alles rundum vernichten, kommen effektive kleinere und den Boden schonende\nMaschinen zum Einsatz. Der regionalen Vermarktung wird Vorrang einger\u00e4umt. <\/p>\n\n\n\n<p>Wer nun denkt, das ist doch alles Utopie, hat vielleicht\nnicht ganz unrecht. Doch was bleibt denn sonst? W\u00e4hrend Deutschland noch nicht\nso stark betroffen ist, verzeichnen etwa Italien, Griechenland und Spanien die\nstetige Ausbreitung von W\u00fcsten und den kontinuierlichen R\u00fcckgang von\nGrundwasser, alles vom Menschen verursacht. Weltweit sind inzwischen 1,5\nMilliarden Menschen in 169 L\u00e4ndern von der sogenannten Desertifikation direkt\nbetroffen, der Verwandlung fruchtbaren Bodens in W\u00fcste. <\/p>\n\n\n\n<p>Der moderne Gro\u00dfbauer in Deutschland, der mehrere Hundert\nHektar bewirtschaftet, erzielt mit seinen Ernten immer geringere Gewinnmargen\nund befindet sich in der Zwangslage, um jeden Preis zu wachsen. Dabei machen\ndie zur Feldbewirtschaftung ben\u00f6tigten gro\u00dfen Maschinen einen geh\u00f6rigen Teil\nder Investitionen sowie Reparatur- und Wartungskosten aus. Eine Reduktion der\nFeldgr\u00f6\u00dfen und die Diversifikation beim Anbau von Getreide, Gem\u00fcse und Fr\u00fcchten\nmacht den oder die Landwirtin unabh\u00e4ngiger und die Investitionen in kleinere\nMaschinen sind wesentlich geringer. Ganz nebenbei hilft es der Natur wieder auf\ndie Spr\u00fcnge. Auch die Risiken durch Ernteausf\u00e4lle reduzieren sich, wenn die\nLandwirtschaft generalistisch und nicht spezialisiert betrieben wird. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcne Landwirtschaft, die Zukunft ist regional, nicht global<\/h3>\n\n\n\n<p>Kirschen im Dezember aus S\u00fcdafrika? Garnelen aus der Nordsee, die in Marokko gesch\u00e4lt werden, um sie in deutschen Superm\u00e4rkten zu verkaufen? Rosen aus Mexiko, die jede Nacht mit dem Frachtflugzeug eingeflogen werden? Das Fr\u00fchst\u00fccksm\u00fcsli, dessen Zutaten aus zwanzig verschiedenen L\u00e4ndern importiert wurde? Industrialisierte Lebensmittel, denen bis zu 300 deklarierpflichtige und noch einmal rund 300 nicht deklarierpflichtige Stoffe aus der Chemie zugesetzt werden d\u00fcrfen? Brauchen wir das wirklich? Oder brauchen wir eine intakte Natur und eine regionale Versorgung mit Lebensmitteln, die nicht durch Tierqu\u00e4lerei und Vergiftung der B\u00f6den entstanden sind. Diese Fragen muss jeder f\u00fcr sich selbst beantworten und entsprechend handeln, aber m\u00f6glichst, bevor es zu sp\u00e4t ist. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das <\/strong><a href=\"https:\/\/wematik.de\/magazin\/\"><strong>Wematik-Magazin\ufeff<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den 1940er Jahren begann etwas, das einerseits viel Gutes bewirkte, andrerseits gravierende Umweltsch\u00e4den erzeugte und, wie heute bekannt ist, einer der Hauptverursacher des Klimawandels ist. Es war die sogenannte gr\u00fcne Revolution, die damit begann, dass Mexiko aus den USA mithilfe der Rockefeller Foundation spezielle Weizensorten importierte, die einen wesentlich h\u00f6heren Ertrag brachten. 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