
{"id":225,"date":"2020-10-30T16:20:37","date_gmt":"2020-10-30T15:20:37","guid":{"rendered":"https:\/\/wematik.de\/magazin\/?p=225"},"modified":"2026-03-23T09:10:48","modified_gmt":"2026-03-23T08:10:48","slug":"radlader-fuehrerschein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wematik.de\/magazin\/radlader-fuehrerschein\/","title":{"rendered":"Radlader F\u00fchrerschein \u2013 Pflicht oder Freiwillig"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer sich heute die Bauwerke ansieht, die von Menschen schon vor Tausenden von Jahren erschaffen wurden, etwa die Pyramiden von Gizeh, stellt sich sicher auch mal die Frage: \u201eWie haben die das ohne Bagger oder andere Baumaschinen geschafft?\u201c. Mit viel Zeit und noch mehr Manpower geht vieles, was heute unvorstellbar erscheint, d\u00fcrfte die Antwort darauf sein. Eigentlich ist doch aber unser modernes Zeitalter unvorstellbar. Dank der Erfindung von Baumaschinen, die in k\u00fcrzester Zeit hunderte Tonnen Erde bewegen k\u00f6nnen, wurden und werden Bauwerke erschaffen, die alles Bisherige weit in den Schatten stellen. Eine dieser Baumaschinen ist der <a href=\"https:\/\/wematik.de\/radlader\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/wematik.de\/radlader\/\">Radlader<\/a>, ein Allrounder f\u00fcr Baustellen, Bauh\u00f6fe oder auch landwirtschaftliche Betriebe. <\/p>\n\n\n\n<p>Dabei gibt es noch eine Besonderheit unter den Radladern, denn viele Radlader lenken und fahren sich nicht wie andere vierr\u00e4drige Fahrzeuge. \u00dcblicherweise besitzen viele Baumaschinen, genau wie ein <a href=\"https:\/\/wematik.de\/hebebuehnen\/\">Auto<\/a> oder ein <a href=\"https:\/\/wematik.de\/hebebuehnen\/lkw-hebebuehnen\/\">Lkw<\/a>, eine vordere Lenkachse und eine hintere Starachse. Das ist f\u00fcr das \u00fcbliche Anwendungsgebiet dieser Fahrzeuge, die Geradeaus-Fahrt, die sicherste und \u00f6konomischste Art des Vortriebs. Auf Baustellen oder auch auf landwirtschaftlichen H\u00f6fen ist jedoch oft eine hohe Wendigkeit bei gleichzeitiger Lastaufnahme gefragt, die ein Fahrzeug mit einer vorderen Lenkachse und einer hinteren Starachse nur bedingt aufbringen kann. Das Problem besteht darin, dass das Fahrzeug \u00fcber seine gesamte L\u00e4nge hin und her bewegt werden muss. Wer kennt zum Beispiel nicht die Schwierigkeiten, die das Einparken mit dem Auto in engen L\u00fccken mit sich bringt? Die L\u00f6sung f\u00fcr das Problem wurde bereits in den 1960er-Jahren entwickelt, die Knicklenkung. Dabei werden nicht etwa die Vorderr\u00e4der in die gew\u00fcnschte Lenkrichtung gedreht, sondern der gesamte Vorderwagen. Ein sog. Knicklader (wie z.B. der <a href=\"https:\/\/wematik.de\/radlader\/hoflader\/mit-wandlerantrieb\/180\/radlader-809-hoflader-kompaktlader\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/wematik.de\/radlader\/hoflader\/mit-wandlerantrieb\/180\/radlader-809-hoflader-kompaktlader\">WEMATIK 809<\/a>) zeichnet sich dadurch aus, dass das vordere und das hintere Teil des Fahrzeuges durch ein Knickgelenk miteinander verbunden sind. Das gesamte Fahrzeug kann sich bis zu einem gewissen Grad in der Mitte nach rechts oder links abknicken, es faltet sich quasi zusammen. So muss der Knicklader zum Beispiel beim seitlichen Beladen eines Lkw mit seiner gesamten L\u00e4nge nicht exakt im rechten Winkel zu diesem stehen, sondern kann aus fast jedem Winkel an den Laster heranfahren und seine Last trotzdem sauber abladen. Gleichzeitig kann ein extrem kleiner Wendekreis erzielt werden, sodass die Arbeit auch in kleinen G\u00e4rten vonstatten gehen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Radlader F\u00fchrerschein \u2013 welche Voraussetzungen?<\/h2>\n\n\n\n<p>Den Radlader F\u00fchrerschein gibt es in dieser speziellen\nBezeichnung in Deutschland nicht. Es gibt vielmehr die Fahrerlaubnisklassen L\nund T. Diese beinhalten das F\u00fchren selbstfahrender Arbeitsmaschinen und genau\ndas ist ein Radlader. Die Unterschiede zwischen den beiden Fahrerlaubnisklassen\nbeziehen sich auf die H\u00f6chstgeschwindigkeiten der Arbeitsmaschinen, sprich\nRadlader, und unterteilen sich wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Arbeitsmaschinen\n     bis 6 km\/h sind f\u00fchrerscheinfrei zur F\u00fchrung im Stra\u00dfenverkehr<\/li>\n\n\n\n<li>Arbeitsmaschinen\n     bis 25 km\/h ben\u00f6tigen die Klasse L zur F\u00fchrung im Stra\u00dfenverkehr<\/li>\n\n\n\n<li>Arbeitsmaschinen\n     bis 40 km\/h ben\u00f6tigen die Klasse T zur F\u00fchrung im Stra\u00dfenverkehr<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ist der Radlader schneller als 40 km\/h und wiegt er weniger\nals 3,5 Tonnen, wird die Fahrerlaubnisklasse B ben\u00f6tigt. Wiegt er bis zu 7,5\nTonnen und ist schneller als 40 km\/h, braucht es die Klasse C1 und alles was an\nArbeitsmaschinen schneller als 40 km\/h und schwerer als 7,5 Tonnen ist, darf\nnur von Inhabern der Fahrerlaubnisklasse C auf \u00f6ffentlichen Stra\u00dfen bewegt\nwerden. Grunds\u00e4tzlich gilt, dass bei Fahrten im \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenverkehr mit\ndem Radlader weder Lasten noch Personen transportiert werden d\u00fcrfen. Der\nRadlader darf jedoch einen Anh\u00e4nger ziehen, wenn es die Betriebserlaubnis und\ndie Zulassungsbescheinigung erlauben. Sonst muss auch ein Radlader alles dabei\nhaben, was andere Kfz im Stra\u00dfenverkehr an Bord haben m\u00fcssen:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Warnweste<\/li>\n\n\n\n<li>Warndreieck<\/li>\n\n\n\n<li>Verbandskasten<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>sowie zus\u00e4tzlich<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Warnleuchte\n     ab 3,5 Tonnen Gesamtgewicht<\/li>\n\n\n\n<li>Unterlegkeile\n     ab 4 Tonnen Gesamtgewicht<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Der F\u00fchrer des Radladers muss f\u00fcr eine Fahrt (\u00dcberf\u00fchrungsfahrt)\nfolgendes vorbereiten:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Abdeckung\n     aller scharfen Kanten und Spitzen am Radlader<\/li>\n\n\n\n<li>Anbringung\n     eines Adressschildes auf der linken Seite des Radladers<\/li>\n\n\n\n<li>Bei\n     zulassungsfreien Radladern, die nicht schneller als 20 km\/h fahren, sind\n     hinten sowie auf beiden Seiten Schilder mit dem Aufdruck 20 km\/h\n     anzubringen. <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich der mitzuf\u00fchrenden Papiere sind bei Radladern bis\n20 km\/h erforderlich:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Allgemeine\n     Betriebserlaubnis bzw. Einzelbetriebserlaubnis mit Gutachten<\/li>\n\n\n\n<li>Eventuelle\n     Spezialgenehmigungen bei technischen Ver\u00e4nderungen<\/li>\n\n\n\n<li>Eventuelle\n     Ausnahmegenehmigungen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Bei Radladern \u00fcber 20 km\/h:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Betriebserlaubnis<\/li>\n\n\n\n<li>Fahrzeugschein<\/li>\n\n\n\n<li>Aktuelle\n     T\u00dcV-Bescheinigung.<\/li>\n\n\n\n<li>AU-Bescheinigung<\/li>\n\n\n\n<li>Eventuelle\n     Ausnahmegenehmigungen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Klassen L und T k\u00f6nnen schon ab einem Alter von 16\nJahren erworben werden. Der Autof\u00fchrerschein, Klasse B (\u00fcblicherweise ab 18\nJahren), enth\u00e4lt die Klasse L und der Lkw-F\u00fchrerschein C1 enth\u00e4lt die Klasse T.\n<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wird der Radlader F\u00fchrerschein immer ben\u00f6tigt?<\/h2>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt, dass auf privatem Gel\u00e4nde jeder alles\nfahren kann, im \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenverkehr jedoch nur mit dem entsprechenden\nF\u00fchrerschein und g\u00fcltiger Betriebserlaubnis der selbstfahrenden\nArbeitsmaschine. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Privatperson, die sich beispielsweise einen Radlader\nausleiht, um damit auf der eigenen Baustelle G\u00fcter zu bewegen, wird kein\nRadlader F\u00fchrerschein ben\u00f6tigt. Es ist jedoch sehr sinnvoll, sich eine Einweisung\nauf dieser Arbeitsmaschine geben zu lassen. Auch wenn jemand im Besitz des\nF\u00fchrerschein B oder C1 ist und damit auch im Besitz der Klassen L oder T,\nbedeutet dies noch lange nicht den wirklich sichere Umgang mit einem Radlader.\nDer Unterricht zur Fahrerlaubnis L oder T besteht normalerweise darin, das an\nFlurf\u00f6rderzeugen wie Gabelstaplern ge\u00fcbt wird, selten tats\u00e4chlich an Radladern.\nDie Pr\u00fcfung ist zudem nur theoretisch, nicht praktisch zu absolvieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Radlader F\u00fchrerschein \u2013 \u00dcbung macht den Meister<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie bereits beschrieben, sind Radlader sehr wendige\nFahrzeuge, die zudem im Frontbereich recht hohe Lasten aufnehmen k\u00f6nnen und\nsich haupts\u00e4chlich im eher unebenen Gel\u00e4nde bewegen, beispielsweise einer\nKiesgrube. Das alles hat zur Folge, dass es bei einem Radlader durchaus zu sehr\nkritischen Situationen kommen kann. Wird etwa ein Radlader mit gehobener Last\nin eine zu enge Kurve gef\u00fchrt, kann er durchaus kippen. Ein anderes Problem ist\ndas Lenkgef\u00fchl, das sich erheblich von dem unterscheidet, was sich bei einer\nvorne befindlichen Lenkachse ergibt. Die Geschwindigkeit der Richtungs\u00e4nderung\nund der Umstand, dass sich der gesamte vordere Teil des Radladers in eine\nandere Richtung bewegt, sorgen erst einmal f\u00fcr \u00dcberraschungen. Radlader\nverleiten aufgrund ihrer Wendigkeit oft auch zu \u00fcberm\u00fctigen Aktionen, die\ndurchaus fatal enden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zwar keinen offiziellen Radlader F\u00fchrerschein, gr\u00f6\u00dfere Bauunternehmen wie auch kommunale Werkh\u00f6fe f\u00fchren f\u00fcr Ihre Mitarbeiter jedoch interne Schulungen an den jeweiligen Maschinen durch, damit diese vor dem ersten echten Einsatz vorbereitet sind. Es gibt zudem Vorgaben der jeweiligen Berufsgenossenschaften bez\u00fcglich Schulung und Einsatz. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich heute die Bauwerke ansieht, die von Menschen schon vor Tausenden von Jahren erschaffen wurden, etwa die Pyramiden von Gizeh, stellt sich sicher auch mal die Frage: \u201eWie haben die das ohne Bagger oder andere Baumaschinen geschafft?\u201c. 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